ABES Group AG → Ratgeber
Vier Artikel von echten Spezialisten. Kein Fachjargon um des Fachjargons willen — nur das, was Sie als Bauunternehmer wirklich wissen müssen.
Artikel 01
Viele Bauunternehmer verwenden die Begriffe synonym. Das ist ein teurer Fehler. Der Unterschied entscheidet darüber, wie schnell Ihr Auftraggeber im Schadensfall zu Geld kommt — und wie attraktiv Sie als Unternehmer wirken.
Bei der Garantie gilt: erst zahlen, dann streiten. Bei der Solidarbürgschaft gilt das Gegenteil: erst streiten, dann zahlen.
Was das konkret bedeutet
Mit einer Garantie kann Ihr Auftraggeber im Streitfall sofort und ohne Gerichtsprozess die versprochene Summe einfordern. Der Garant (Bank oder Versicherung) muss zahlen, sobald er dazu aufgefordert wird. Erst danach wird geklärt, ob der Anspruch berechtigt war. Bei der Bürgschaft läuft es umgekehrt: Der Auftraggeber muss zuerst beweisen, dass er Recht hat — notfalls vor Gericht.
Bauherren, Generalunternehmer und die öffentliche Hand verlangen immer häufiger Garantien statt Bürgschaften — genau wegen dieses Prinzips. Die Garantie ist für sie einfacher durchzusetzen. Das macht sie zum Qualitätssignal für Sie als Unternehmer: Wer eine Garantie stellen kann, sendet das Signal, dass er seinen Verpflichtungen nachkommt.
| Merkmal | Garantie | Solidarbürgschaft |
|---|---|---|
| Grundprinzip | Erst zahlen, dann streiten | Erst streiten, dann zahlen |
| Beweispflicht im Streitfall | Liegt beim Unternehmer | Liegt beim Auftraggeber |
| Durchsetzungsgeschwindigkeit | Sofort auf erstes Verlangen | Erst nach Gerichtsurteil |
| Kosten für den Unternehmer | Etwas höher (ca. 0.5–1.5% p.a.) | Etwas günstiger |
| Abhängigkeit von Hauptschuld | Nein — abstrakte Verpflichtung | Ja — akzessorisch |
| Attraktivität für Auftraggeber | Hoch | Mittel |
Bei kleineren Projekten oder wenn der Auftraggeber explizit damit einverstanden ist, kann die Solidarbürgschaft die kostengünstigere Wahl sein. Der KBOB-Leitfaden empfiehlt Solidarbürgschaften sogar als Regelfall — ausser bei aussergewöhnlichen Risiken. Als unabhängiger Broker zeigen wir Ihnen, was in Ihrer konkreten Situation passt.
Wir analysieren Ihre Situation und empfehlen die optimale Struktur — kostenlos und unverbindlich.
Artikel 02
Die Höhe der Garantie ist keine willkürliche Zahl — sie folgt klaren Regeln, die vom Risiko des Projekts abhängen. Wer zu wenig ansetzt, verliert das Vertrauen des Auftraggebers. Wer zu viel ansetzt, belastet unnötig seine Liquidität.
Der KBOB-Leitfaden — das Referenzdokument der öffentlichen Hand in der Schweiz — gibt klare Orientierungswerte:
Eine Erfüllungsgarantie von über 5% ist laut KBOB bei folgenden Szenarien gerechtfertigt:
Technisch nicht erprobte BaumethodenWenn das Projekt innovative oder ungetestete Verfahren einsetzt, steigt das Risiko für den Auftraggeber deutlich.
GU- und TU-Verträge mit festen TerminplänenJe grösser das Projekt, desto grösser der potenzielle Schaden bei Verzögerungen oder Insolvenz.
Mehrjährige VertragsdauerBei Projekten über mehrere Jahre kann das Risikoprofil deutlich höher sein als bei üblichen Bauaufträgen.
Eingeschränkter BeschaffungsmarktWenn ein Ersatz des Unternehmers nicht ohne Weiteres möglich ist, steigt das Interesse an einer höheren Sicherheit.
Eine wichtige und oft vergessene Regel: Die Erfüllungsgarantie sollte degressiv aufgebaut sein — also mit dem Baufortschritt sinken. Warum? Das Risiko des Auftraggebers nimmt ab, je mehr vom Projekt fertiggestellt ist. Wer das richtig strukturiert, schont seine Liquidität in der zweiten Projekthälfte erheblich.
Praxistipp von ABES Group
In der Praxis werden oft pro Degressionsstufe separate Garantieurkunden mit entsprechender Laufzeit ausgestellt. Wir übernehmen diesen administrativen Aufwand für Sie — inklusive rechtzeitiger Verlängerung vor Ablauf jeder Urkunde.
Wir analysieren Ihr konkretes Projektrisko und empfehlen die optimale Garantiehöhe und -struktur.
Artikel 03
Die Bank ist für die meisten Bauunternehmer der erste Gedanke wenn es um Garantien geht. Das ist historisch gewachsen — nicht rational begründet. In den meisten Fällen ist die Versicherungsgarantie die bessere Lösung.
Wenn Ihre Hausbank eine Garantie ausstellt, passiert folgendes im Hintergrund: Die Bank zieht den Garantiebetrag von Ihrer Kreditlinie ab. Effektiv haben Sie das Kapital damit gebunden — entweder als Bardeckung hinterlegt oder als belastete Kreditlinie. Dieses Geld kann nicht für Materialeinkauf, Personal oder Investitionen genutzt werden.
Das Liquiditätsproblem
Bei mehreren laufenden Projekten mit je einer Bankgarantie kann ein erheblicher Teil Ihrer Kreditlinie blockiert sein — ohne dass Sie operativ davon profitieren. Genau das verhindert Wachstum.
Die Versicherungsgesellschaft übernimmt die Bürgschaft gegen eine Jahresprämie — typischerweise zwischen 0.5 und 1.5% der Garantiesumme. Ihre Banklinien bleiben unbelastet. Ihr Kapital bleibt im Betrieb.
| Vergleichspunkt | Versicherungsgarantie | Bankgarantie |
|---|---|---|
| Wirkung auf Kreditlinie | Keine Belastung | Kreditlinie reduziert |
| Kapital gebunden | Nein | Ja — oft als Bardeckung |
| Kosten | 0.5–1.5% p.a. Prämie | Prämie + Kreditlinienkosten |
| Anbieterauswahl | Mehrere Versicherer vergleichbar | Nur Hausbank |
| Mehrere parallele Garantien | Einfach möglich | Schnell an der Limite |
| Garantiehöhe > CHF 10 Mio. | Mit Rückversicherung möglich | Oft schwierig bei kleineren Banken |
| Bearbeitungszeit | 24–48h bei etablierter Linie | Oft 1–3 Wochen |
Es gibt Ausnahmen. Wenn Ihre Hausbank die Garantie als Teil eines Gesamtpakets günstig anbietet oder wenn der Auftraggeber explizit eine Bankgarantie verlangt (bei internationalen Projekten manchmal der Fall), kann die Bankgarantie die bessere Wahl sein. Als unabhängiger Broker prüfen wir beide Optionen — ohne Vorurteil.
Wir holen für Sie Offerten von mehreren Versicherern ein und vergleichen diese mit dem Angebot Ihrer Hausbank.
Artikel 04
Die KBOB (Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren) ist das Referenzgremium der öffentlichen Hand in der Schweiz. Ihr Leitfaden zu finanziellen Sicherheiten bei Werkleistungen ist das wichtigste Regelwerk, das Sie als Bauunternehmer bei öffentlichen Aufträgen kennen sollten.
Die KBOB vereint Bundesstellen wie BBL, armasuisse, ASTRA und kantonale Vertreter. Sie gibt Musterverträge und Leitfäden heraus, die für öffentliche Ausschreibungen verbindlich oder quasi-verbindlich sind. Wer öffentliche Aufträge anstrebt, muss die KBOB-Anforderungen kennen.
Der KBOB-Leitfaden unterscheidet Sicherheitsleistungen nach Projektphase:
| Projektphase | Sicherheitsart | Typische Höhe |
|---|---|---|
| Submission (Angebot) | Offertgarantie (in CH kaum üblich) | — |
| Vorauszahlungen | Anzahlungsgarantie | Betrag der Anzahlung |
| Ausführung | Erfüllungsgarantie / Solidarbürgschaft | 3–5% (bis 20% bei erhöhtem Risiko) |
| Nach Abnahme | Gewährleistungsgarantie | Nach SIA 118, max. CHF 2 Mio. |
Quelle: KBOB Leitfaden zur Festlegung von finanziellen Sicherheiten bei Werkleistungen, Stand März 2014
Garantien erst nach Zuschlag — nicht in der AngebotsphaseDer KBOB empfiehlt ausdrücklich, verbindliche Garantiezusagen erst nach dem Zuschlag einzufordern. Wer als Auftraggeber schon bei der Submission eine verbindliche Zusage verlangt, schränkt den Wettbewerb ein — denn viele KMU stossen dann bereits an ihre Kreditlimiten.
Solidarbürgschaft vor Garantie — ausser bei aussergewöhnlichen RisikenDer KBOB empfiehlt als Regelfall die Solidarbürgschaft. Die Garantie auf erstes Verlangen ist für ausserordentliche Risikolagen reserviert. Das ist eine wichtige Verhandlungsposition, wenn Auftraggeber pauschal auf Garantien bestehen.
Erfüllungsgarantie ist alternativ — nicht zusätzlich — zum RückbehaltEin häufiges Missverständnis: Erfüllungsgarantie und Rückbehalt nach SIA 118 sind keine kumulierten Sicherheiten. Wer eine Erfüllungsgarantie stellt, soll keinen zusätzlichen Rückbehalt leisten müssen.
Warum das für Sie als Unternehmer wichtig ist
Kennen Sie die KBOB-Empfehlungen, können Sie bei Vertragsverhandlungen mit öffentlichen Bauherren sachkundig argumentieren. Ein Auftraggeber, der sowohl Erfüllungsgarantie als auch vollen Rückbehalt verlangt, handelt nicht KBOB-konform. Das ist Verhandlungsmasse.
Das KBOB-Dokument macht deutlich: Es gibt keine One-size-fits-all-Lösung. Jedes Projekt hat ein eigenes Risikoprofil, das die richtige Garantiestruktur bestimmt. Genau hier liegt unser Mehrwert als spezialisierter Broker.
Wir setzen Ihr Garantie-Setup von Anfang an richtig auf — mit der richtigen Garantieart, der richtigen Höhe, dem richtigen Träger und der richtigen Degression. Damit Sie nie wieder an einer Garantiegrenze scheitern oder Kapital unnötig binden.
Wir analysieren Ihre aktuelle Situation und zeigen, wo Optimierungspotenzial liegt — kostenlos und unverbindlich.